Wie bekomme ich das alles unter?

Josef Gruber - Salzburg Trailrunning Festival Team

Ab sofort findet ihr hier regelmäßig persönliche Beiträge zu aktuellen Themen rund um Training und Wettkämpfe – verfasst von unserem Salzburg Trailrunning Festival Running Team. Lasst euch inspirieren, entdeckt neue Wettkämpfe oder holt euch frische Motivation für euer eigenes Training.

Wir starten gleich mit dem Chef höchstpersönlich. Diesen Monat stellt sich Sepp – wie wahrscheinlich viele von euch – die Frage: 

„Wie bekomme ich das alles unter?“ 

 

 

 

Bekomme ich das alles unter einen Hut?

Diese Frage stelle ich mir regelmäßig. Ich bin 53 Jahre alt, leidenschaftlicher Ausdauersportler, liebe die Berge und den Winter – und ja, ich habe einen Job mit deutlich mehr als 60 Stunden pro Woche. Und trotzdem steht da dieses Ziel: ein 100-km-Trail im Spätsommer.

Als ich mich an die Saisonplanung gemacht habe, war mir eines von Anfang an klar: Bestzeiten oder Podestplätze sind nicht mein Thema. Mein Ziel ist viel bodenständiger – solide vorbereitet an den Start zu gehen, die Strecke zu schaffen und mit einem guten Gefühl ins Ziel zu laufen. Also habe ich Schwerpunkte definiert, Vorbereitungswettkämpfe ausgewählt und mir vor allem eines vorgenommen: realistisch zu bleiben.

Die größte Herausforderung liegt für mich ganz klar darin, das Training mit dem Arbeitsalltag zu vereinen – oder besser gesagt: ständig flexibel darauf zu reagieren. Manchmal macht eine dringende Anfrage eine geplante Einheit schlicht unmöglich. Und an manchen Tagen ist der Kopf voll oder der Akku leer. Dann hilft mir ein Gedanke besonders: Ich habe noch sieben Monate Zeit. Cool bleiben ist oft das beste Training.

Was ist mir im Training jetzt wirklich wichtig?

Theoretisch wäre alles klar: viele Laufkilometer im Grundlagenbereich, dazu Intervalle, um die Spritzigkeit zu erhalten. Praktisch stehen mir aber zwei Dinge im Weg: der Schnee und die Dunkelheit. Also verlege ich die langen Läufe konsequent auf das Wochenende und baue hin und wieder ein Intervalltraining im Fitnessstudio ein.

Aber ganz ehrlich: Ich bin einfach zu sehr ein Wintermensch, um die besten Trainingsbedingungen draußen im Schnee nicht zu nutzen. Crosstraining ist für mich keine Notlösung, sondern ein Geschenk. Langlaufen trainiert den ganzen Körper – Ausdauer, Kraft und Koordination – und fühlt sich dabei erstaunlich leicht an. Skitouren wiederum sind für mich pures Glück: Sonne, Berge und Weitblick. Dass dabei auch noch die Grundlagenausdauer trainiert wird, nehme ich sehr gerne mit.

So entsteht ein guter Mix aus Ausdauereinheiten, die nicht nur den Körper fordern, sondern mir auch Energie geben. Bei Schlechtwetter lande ich ab und zu am Ergometer – einerseits zur Vorbereitung auf unser Radtrainingslager in Italien, andererseits ganz bewusst zur aktiven Regeneration nach dem Crosstraining.

Warum ich (fast) jeden Tag etwas mache

Seit August verfolge ich ein einfaches Ziel – und es funktioniert erstaunlich gut: jeden Tag eine Trainingseinheit. Es gab ein paar wenige Ausnahmen, aber der Fokus zählt. Und ganz wichtig: Nicht jede Einheit muss schweißtreibend sein. Auch Athletiktraining wie Core, Pilates oder ruhige Einheiten wie Stretching oder Yoga gehören dazu.

Diese tägliche Bewegung hilft mir, fokussiert zu bleiben, besser zu regenerieren und meinen Körper zu kräftigen, zu mobilisieren und zu stabilisieren. Vor allem aber schenkt sie mir etwas sehr Wertvolles: Regelmäßigkeit und Vertrauen. Das Gefühl, „halbwegs“ gut vorbereitet in den Frühling zu kommen – und genau das reicht mir völlig.

Worauf kommt es wirklich an?

Kurz zusammengefasst meine persönlichen Tipps:

  • Mach jeden Tag etwas – auch wenn es nur kurz ist.
  • Trainiere deine Ausdauer flexibel und abwechslungsreich.
  • Athletik ist die Basis: kräftigen, mobilisieren, regenerieren.
  • Mach dir keinen Druck – und genieße den Winter.

Denn am Ende geht es nicht darum, alles perfekt zu machen. Es geht darum, dranzubleiben, Freude an der Bewegung zu haben und gesund an der Startlinie zu stehen. Der Rest ergibt sich – Schritt für Schritt.