„Warum es auch mal okay ist, eine pause einzulegen“

Diesen Monat berichtet unsere liebe Sophie, warum es auch mal okay ist, eine Pause einzulegen.
"Zum ersten Mal fühlt sich das für mich trotzdem nicht wie Scheitern an."
Nach Jahren mit wiederkehrenden Verletzungen habe ich mir für dieses Jahr ein Versprechen gegeben: nicht immer mehr machen zu müssen, sondern wieder besser auf meinen Körper zu hören. Wenn ich ehrlich bin, waren viele meiner Verletzungen zumindest teilweise meiner eigenen Übermotivation und meinem Ehrgeiz geschuldet. Zu viele Trainingseinheiten, zu wenig Regeneration und immer wieder der Gedanke, noch ein bisschen mehr machen zu müssen – auch dann, wenn mein Körper eigentlich schon andere Signale gesendet hat. Dieses Jahr versuche ich deshalb, bewusster mit meinem Training umzugehen. Dazu gehört für mich auch, zu Hause zu bleiben wenn ich keine Lust auf eine Laufeinheit habe, meinem Körper die nötige Erholung zu geben und nicht jeden Ruhetag als verpasste Chance zu sehen.
Seit meinem letzten Knochenbruch hat sich vor allem das Bergablaufen verändert. Was sich früher leicht und selbstverständlich angefühlt hat, braucht heute mehr Aufmerksamkeit und fühlt sich nicht mehr ganz so unbeschwert an. Gerade beim Downhill fehlt mir manchmal noch das Vertrauen und damit auch ein Stück weit die Freude, die ich früher damit verbunden habe. Auch die Begeisterung für Rennen ist momentan noch nicht wieder ganz zurück. Gleichzeitig wird die Trailrunning-Szene gefühlt jedes Jahr schneller – und ich im Moment eher langsamer.
Zum ersten Mal fühlt sich das für mich trotzdem nicht wie Scheitern an.
Vielleicht, weil ich langsam verstehe, dass Fortschritt nicht ausschließlich an Pace, Platzierungen oder Höhenmetern gemessen werden kann. Manchmal bedeutet Fortschritt auch, gesund zu bleiben, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und rechtzeitig einen Schritt zurück zu machen. Ob und wann ich wieder mit voller Freude an der Startlinie stehe oder mich beim Downhill wieder genauso frei fühle wie früher, weiß ich nicht. Aktuell steht für mich jedoch nicht die Leistung im Vordergrund, sondern ein nachhaltiger und gesunder Zugang zum Trailrunning.
Ich werde deshalb weiterhin das tun, was mir Freude bereitet: Zeit in den Bergen verbringen, laufen, wandern, neue Wege entdecken und unterwegs sein – und mir genauso bewusst die Zeit für Erholung nehmen.
Und vielleicht kommt mit der Zeit auch die Freude an schnellen Downhills und Rennen wieder zurück. Beim Trailrunning Festival werde ich jedenfalls wie jedes Jahr mitfiebern, euch anfeuern und die Daumen drücken. Ich freue mich darauf, die Begeisterung für unseren Sport und die besondere Atmosphäre der Community mitzuerleben.