CCC 2026 – zwei Josef’s kämpfen sich erfolgreich ins Ziel!

Die Erwartungen waren klar: Bei Josef war eine Zeit bis zu 13 Stunden möglich und bei Sepp war die Zielzeit mit 15 Stunden anvisiert. Letztendlich kam aber alles anders … und dennoch ist die Teilnahme beim CCC einzigartig und eine ganz besondere Reise geworden. Taucht ein mit uns in den Erfahrungsbericht der beiden erfolgreichen Finisher!
Als Basislager wurde ein Campingplatz in Courmayeur gewählt, vorwiegend um dem Trubel von Chamonix zu entgehen. Dass aber nicht mal bei der Startnummernabholung Trailrunning-Flair aufkam, mit dem hatten die beiden (Josef Grundbichler = Josef und Josef Gruber = Sepp) gar nicht gerechnet. Erst am Nachhauseweg kam die Info über eine Streckenänderung, deren Grund nicht kommuniziert wurde. Somit wurde die Strecke um etwa 5 Kilometer länger und um ein paar 100 Höhenmeter „gekürzt”.
Die Wettervorhersage wechselte die Tage zuvor stündlich, sicher war, dass es sich um den schlechtesten Tag der UTMB-Woche handeln würde. Egal wie, das Pacing war besprochen, der Support gebrieft … nun konnte einem genialen Tag nichts mehr im Wege stehen.
Start um pünktlich 9 Uhr – bei Nieselregen mit etwa 2.000 anderen TrailläuferInnen in Courmayeur: 107 Kilometer und 6.400 Höhenmeter standen am Programm. Gleich zu Beginn durch das Ortszentrum ein flottes Tempo im 4er-Schnitt, dann bei einem immer schmäler werdenden Pfad steil hinauf mit 1.400 Höhenmeter auf 9 Kilometer. Oben angekommen pfiff uns der Wind mit 80 km/h mit Regen um die Ohren. Im Downhill konnten wir wählen zwischen matschigem Trail oder nassem Gras. Egal wie, der Zeitplan wurde trotz widriger Bedingungen von beiden eingehalten.
Jedoch stellten sich bei Josef schon die ersten Magenprobleme ein. Die Nahrungszufuhr war blockiert und ab Kilometer 15 war’s mehr oder weniger ein Kampf ums Überleben. Mit wenig Energie in den Beinen kämpfte er sich auf den Col Gran Ferret mit über 2.500 Metern. Im Downhill konnte Josef sich etwas stabilisieren und im Abschnitt nach La Fouly wieder ganz passabel mitlaufen.
Bei Sepp hingegen lief bis zur Halbzeit alles nach Plan. Er verlor zwar kontinuierlich an Positionen, was aber lediglich bedeutete, dass er sich im richtigen Leistungsfeld einpendelte. Sepp spürte die fehlenden Laufkilometer (ihm kommt das Steile und Technische entgegen), was sich bei den zahlreichen laufbaren Abschnitten im Ranking bemerkbar machte.
In Champex-Lac war die erste Labestation mit Support: Schuh- und Sockenwechsel stand bei beiden am Programm, um die zweite Hälfte frisch anzupacken. Alex und Elfi unterstützten die beiden und lieferten Energie in Form von Gels und Getränk, vor allem aber auch mit Zusprache und Unterstützung. Was nun in der zweiten Hälfte bevorstand war ungewiss.
Nach der Halbzeit kam die große Streckenänderung, anstelle eines steilen Abschnittes folgte ein mehr oder weniger langweiliger Downhill bis hinunter nach Martigny (von den Gletschern zu den Weintrauben). Aufgrund dieser Umleitung mussten die beiden einen 1.700hm langen Anstieg nur kurz unterbrochen durch die Labestation in Trient absolvieren.
Josef lag bei dieser Labestation in Trient noch immer 20 Minuten vor Sepp, die Magenprobleme zehrten voll an seiner Substanz, weswegen er die Aufstiege in 150-Höhenmeter-Abschnitte mit kurzen Pausen unterteilen musste. Jetzt war es Zeit, die Stirnlampe einzuschalten, die Nacht war angebrochen, der Fokus nur mehr 3 Meter vor den eigenen Füßen. Ab dem Checkpoint kurz vor dem höchsten Punkt liefen die beiden dann fast 45 Minuten gemeinsam, der gegenseitige Support hat beiden gutgetan.
Die letzte Labestation etwa 17 Kilometer vor dem Ziel war in Vallorcine. Dies war die zweite betreute Labestation: für Sepp gab’s nochmal frische Socken und Energie für das Finale, Massage und Bouillon hauchten Josef wieder Leben und Motivation für den letzten Abschnitt ein.
Auch hier hatte sich die Rennleitung während des Rennens eine Streckenänderung einfallen lassen. Allerdings bedeuteten die 200-300 Höhenmeter weniger einen technisch extrem schwierigen Downhill, der definitiv nicht Trailrunning-Genuss für die TeilnehmerInnen bedeutete. Nach über 95 Kilometern und knapp 6.000 Höhenmetern in der Nacht solche Abschnitte laufen zu müssen fordert nochmal die volle Konzentration … und auch Selbstmotivation.
Schließlich war es aber geschafft, die Stahlbrücke über die Straße vor Chamonix kündigte die letzten zwei Kilometer an. Jetzt hieß es dann nur noch „laufen lassen” und die Stimmung aufsaugen und den Zieleinlauf genießen. Unglaublich war, dass die beiden nach solchen Anstrengungen nochmal einen Laufschritt auspacken konnten. Es war geschafft – der CCC war „in the books”!
Alex und Elfi warteten auf die beiden im Ziel: Sepp schaffte eine Zeit von 16 Stunden und 5 Minuten, Josef lief nur 18 Minuten später über die Ziellinie. Kaum vorzustellen, welche Zeit bei ihm möglich gewesen wäre, wenn er nur halbwegs besser ohne Magenprobleme diesen Bewerb in Angriff genommen hätte.
Aber was sagen die beiden zu ihrer Teilnahme?
- Josef: Vor einem Jahr bin ich noch als Zuschauer beim Zieleinlauf in Chamonix gestanden und hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich zwölf Monate später selber über diese Ziellinie laufe. Umso schöner war es, dass es genau so gekommen ist – mit Sepp an meiner Seite (Start + Training) und mit unseren besten Betreuern Alex und Elfi im Rücken. Danke euch beiden, ihr habt an diesem Tag wahrscheinlich mehr gelitten als wir selber.
Auch wenn der Plan diesmal für mich nicht ganz aufgegangen ist - ich bin eine Erfahrung reicher, habe diesen Trail mit Sepp erleben und dabei den besten Support genießen dürfen - freu mich jetzt schon mit diesem Team nach einer Erholungspause das nächste gemeinsame Trailrennen in Angriff zu nehmen. - Sepp: Für mich war das Schönste, dieses Abenteuer gemeinsam mit Josef erleben zu dürfen. Danke auch für den grandiosen Support von Elfi und Alex. Meine zwei Grundsätze SMILE & FOCUS habe ich voll und ganz umsetzen können. Ich bin an meine Grenzen gegangen und extrem überrascht was an diesem Tag möglich war!